Entwicklung einer mobilen und personalisierbaren Plattform zur Therapie von Adipositas im Kindes- und Jugendalter

„Es ist unrealistisch, in der heutigen medialen Welt die Nutzung von Videospielen zu verbieten. Vielmehr gilt es, das Ganze personalisiert in positive Bahnen zu lenken.“

(S. Becker, Darmstädter Kinderkliniken)

Motivation

Etwa jedes sechste Kind in Deutschland ist übergewichtig, bei 7-8% der Kinder und Jugendlichen liegt eine Adipositas-Erkrankung vor. Dieser hohe Bevölkerungsanteil, der in den letzten Jahrzehnten rasant angestiegen ist, lässt sich unter anderem mit den veränderten Lebens- und Alltagsbedingungen erklären. Die Auslöser sind aber vielfältig und mitunter genetisch bedingt. Zahlreiche Einrichtungen bieten Prävention und Therapie an, sowohl ambulant als auch stationär.

Erklärtes Ziel des Forschungsprojektes ist es, eine Technologie zu entwickeln, die durch ihre Offenheit in angeschlossenen Therapie-Umgebungen genutzt und bei Bedarf erweitert werden kann. Im Vergleich zu kommerziellen Lösungen wird es die SG4Health-Plattform erlauben, wissenschaftlich fundierte, personalisierte Programme ohne Programmierkenntnisse zu erstellen und zu konfigurieren, sowie die Ergebnisse zu dokumentieren, analysieren und fachgerecht zu visualisieren.

Vorgehen

Im therapeutischen Umgang mit adipösen Kindern und Jugendlichen werden immer wieder – bisher nicht IT-basierte – spielerische Mittel und spielerische Trainingsprogramme zur Information und Aufklärung (Ernährung) als auch zur Motivationsförderung (Bewegung) eingesetzt. Durch den Einsatz von IuK-Technologien und Videospielen sehen die MedizinerInnen ein enormes Potential; nicht nur um die Zielgruppe besser zu erreichen, sondern auch um ÄrztInnen und TherapeutInnen bei der Erstellung, Durchführung, Dokumentation und Analyse von Trainingsprogrammen zu unterstützen.
Im Rahmen des Forschungsprojekts SG4Health wird eine modular aufgebaute, erweiterbare und adaptierbare Plattform zur Therapieunterstützung von Adipositas für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren entwickelt. Personalisierbare Trainings- und Lernspiele in den Bereichen Ernährung und Bewegung sollen über diese Plattform erstellt, gesteuert und analysiert werden, gezielte Datenauswertung die Wirksamkeit der Plattform gleichsam validieren. Damit werden die ärztlich betreuten bewegungs- und ernährungstherapeutischen Ansätze begleitet und zu einem konsistenten Behandlungsplan zusammengefasst, der für jede Patientin und jeden Patienten „maßgeschneidert“ werden kann.

Zwei Dinge stehen dabei im Vordergrund:

1.   Die computergestützte, spielerisch motivierte (und motivierende) Zusatztherapie für zu Hause im Sinne der „Serious Games“:

Computergestützte Spiel- und Lernformen haben in den letzten Jahren immensen Zuspruch erfahren, nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch als ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor mit zukunftsweisenden Technologien, die in den verschiedensten Anwendungsbereichen eingesetzt werden können. Das Genre der Serious Games nimmt dabei eine entscheidende Schlüsselposition ein, in dem ergebnisorientierte Spielformen entwickelt und so neue Therapiemöglichkeiten in Medizin und Pflege geschaffen werden.
Im Rahmen des hier vorgestellten Projektes wird vor allem das personalisierbare Spiel entwickelt, wie es sich dann auch auf andere Therapiefelder übertragen lässt. Durch die Bereitstellung einer Auswahl an individuell einstellbaren Parametern können die Spiele auf die individuellen Bedürfnisse und den Therapieverlauf der einzelnen Patienten abgestimmt werden.

2.    Technologiegestützte Datenaufnahme und –Analyse:

Ein umfangreicher Informations- und allgemeiner Datenkorpus für ÄrztInnen, TherapeutInnen und Eltern soll auf einem sogenannten „Health Portal“ zur Verfügung gestellt werden. Damit schafft die Plattform eine direkte Verknüpfung von objektiver (Vital-)Datensammlung und Analyse um den Trainingsfortschritt zu dokumentieren und zu verifizieren.

Dieses Projekt (HA-Projekt-Nr.: 323/12-13) wird im Rahmen von Hessen ModellProjekte aus Mitteln der LOEWE – Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz, Förderlinie 3: KMU-Verbundvorhaben gefördert.